Taschentiefe, Eckenradius, Bodenradius: was Zugang und Gestalt verbindet
Tiefe zu Öffnung, Innenradius, Bodenradius und Kantenbruch: wie Sie eine Tasche so wählen, dass der Fräser hinkommt.
Tiefe zu Öffnung: das Verhältnis, das den Zugang bestimmt
Eine Tasche ist ein Hohlraum mit einer Öffnung, und alles, was in sie hinein soll, muss durch diese Öffnung. Zwei Maße beschreiben sie: die Tiefe t, von der Oberfläche aus gemessen, und die engste Stelle w der Öffnung. Ihr Verhältnis t/w sagt, wie schlank der Hohlraum ist. Flach und weit lässt Spielraum, tief und schmal nimmt ihn.
Das Verhältnis ist eine Kennzahl und kein Grenzwert. Welche Tiefe bei welcher Öffnung noch unproblematisch ist, hängt von der Neigung ab, die der Zugang verlangt, und vom Radius der Ecke. Deshalb rechnet der Zugänglichkeits-Check mit allen drei Größen zugleich, statt eine feste Zahl zu nennen.
Innenradius: warum eine gefräste Innenecke nie scharf ist
Ein Fräser ist rund. Wo er eine Innenecke schneidet, bleibt in der Ecke ein Radius, der mindestens so groß ist wie der Radius des Fräsers. Eine scharfe Innenecke ist mit einem rotierenden Werkzeug nicht zu erzeugen, so spitz man sie auch zeichnet.
Die Zeichnung sollte das aufnehmen: „Innenradien R max.“ mit einem Wert sagt dem Leser, was gewünscht ist, eine scharfe Ecke im Modell lässt die Frage offen. Der Radius der Ecke begrenzt den Fräser nach oben: Ein großer Radius erlaubt einen kräftigen Fräser, ein kleiner Radius nur einen schlanken.
Für die Zugänglichkeit heißt das: Der Radius legt den Referenzfräser des Checks fest. Wer ihn verkleinert, gewinnt Neigung und verliert Steifigkeit; wer ihn vergrößert, tut das Umgekehrte.
Bodenradius und Kantenbruch
Zwei weitere Radien gehören zu jeder Tasche und werden gern vergessen.
Bodenradius
Zwischen Wand und Boden entsteht ein Übergang. Soll er rund sein, nennt die Zeichnung den Radius; soll der Boden bis zur Wand eben sein, braucht sie eine Aussage dazu, denn ein Radius am Boden folgt aus dem Fräser.
Kantenbruch
Die Kante an der Öffnung ist scharf oder gebrochen. Eine Angabe nach ISO 13715 legt fest, was gewünscht ist; ohne sie bleibt der Zustand der Kante dem Zufall überlassen.
Bodenradius und Kantenbruch verändern den Zugang nicht, wohl aber die Funktion des Teils. Sie gehören deshalb in dieselbe Zeichnung wie die Maße der Tasche, und zwar mit einem Wert, nicht mit dem Wort „entgratet“.
Dieselbe Tasche in drei Fassungen
Ein Gedankenspiel mit einer erfundenen Tasche zeigt, wie Tiefe, Öffnung und Radius zusammenwirken.
| Fassung | Änderung | Wirkung auf den Zugang |
|---|---|---|
| A: Ausgangslage | tief, schmal, kleiner Radius | wenig Neigungsreserve, schlanker Fräser |
| B: weiter geöffnet | Öffnung größer, Tiefe gleich | Reserve wächst, Schlankheit bleibt |
| C: flacher | Tiefe kleiner, Öffnung gleich | Reserve wächst, Schlankheit sinkt |
Fassung C gewinnt auf beiden Wegen, kostet aber Funktion, wenn die Tasche ihre Tiefe braucht. Fassung B ändert die Ansicht des Teils, nicht seine Funktion. Welche Fassung die richtige ist, weiß nur die Konstruktion; der Check zeigt, wie viel jede Änderung bringt.
Was in die Zeichnung gehört
Damit der Zugang aus der Zeichnung lesbar ist, braucht die Tasche vier Angaben: die Tiefe von der Oberfläche aus, die engste Stelle der Öffnung, der Innenradius mit Wert und, bei geneigten Flächen, den Winkel gegen einen benannten Bezug. Fehlt eine davon, rechnet der Leser mit einer Annahme.
Eine Ansicht, die nur die Öffnung zeigt, verschweigt die Tiefe; ein Schnitt zeigt beides. Wer in einer Tasche mehrere Tiefen oder Radien hat, trägt jede ein und fasst sie nicht unter „Radien allgemein R3“ zusammen.
- Tiefe von der Oberfläche aus
- engste Stelle der Öffnung
- Innenradius mit Wert
- Winkel gegen benannten Bezug
Konstruktionsregeln mit Quelle
Die folgenden Regeln sind allgemeiner Stand der Konstruktionslehre und enthalten bewusst keine Zahlen.
| Regel | Wirkung auf den Zugang |
|---|---|
| Innenradien möglichst groß wählen | erlaubt einen kräftigeren Fräser und mehr Neigung der Achse |
| Tiefe nur so groß wie die Funktion verlangt | senkt die Schlankheit und vergrößert die Neigungsreserve |
| Öffnung nicht enger als die Tasche selbst | vermeidet, dass der Fräser durch die Öffnung kleiner sein muss als die Tasche |
| gleiche Radien in einer Tasche | erspart Änderungen am Fräser innerhalb eines Merkmals |
| Radius und Kantenzustand mit Wert angeben | macht die Zeichnung ohne Rückfrage lesbar |
Quelle: Begriffe der Fräsverfahren nach DIN 8589-3, Kantenzustand nach ISO 13715; die Regeln stehen in der einschlägigen Fachliteratur zur fertigungsgerechten Konstruktion. Zahlenwerte entnehmen Sie Ihrer eigenen Richtlinie.
Häufige Fragen
Weil der Fräser rund ist: Der Radius der Ecke ist mindestens so groß wie der Radius des Fräsers.
Verfasst von der Evotec GmbH, Arnsberg · Stand 03.10.2026
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Check-Ergebnis, Modell und Zeichnung reichen als Anfang. Was dann noch offen ist, klären wir vor dem Angebot.