Ein Angebot der Evotec GmbH, Arnsberg

Tiefe zu Öffnung: das Verhältnis, das den Zugang bestimmt

Eine Tasche ist ein Hohlraum mit einer Öffnung, und alles, was in sie hinein soll, muss durch diese Öffnung. Zwei Maße beschreiben sie: die Tiefe t, von der Oberfläche aus gemessen, und die engste Stelle w der Öffnung. Ihr Verhältnis t/w sagt, wie schlank der Hohlraum ist. Flach und weit lässt Spielraum, tief und schmal nimmt ihn.

Das Verhältnis ist eine Kennzahl und kein Grenzwert. Welche Tiefe bei welcher Öffnung noch unproblematisch ist, hängt von der Neigung ab, die der Zugang verlangt, und vom Radius der Ecke. Deshalb rechnet der Zugänglichkeits-Check mit allen drei Größen zugleich, statt eine feste Zahl zu nennen.

Schnitt durch eine Tasche mit geneigter Fräserachse Schnitt durch eine rechteckige Tasche mit Tiefe t, Öffnungsbreite w und Bodenradius r. Ein Referenzfräser mit dem Durchmesser 2·r steht mit der Spitze in der Mitte des Bodens; seine Achse ist um den Winkel phi aus der Senkrechten geneigt und passt noch durch die Öffnung. Reines Schema, frei erfunden. t w φ r Referenzfräser: Durchmesser 2·r, Spitze mittig am Boden
Schema: Tiefe t, Öffnung w, Bodenradius r und eine um φ geneigte Achse; erfunden, nicht aus einer Lieferung.

Innenradius: warum eine gefräste Innenecke nie scharf ist

Ein Fräser ist rund. Wo er eine Innenecke schneidet, bleibt in der Ecke ein Radius, der mindestens so groß ist wie der Radius des Fräsers. Eine scharfe Innenecke ist mit einem rotierenden Werkzeug nicht zu erzeugen, so spitz man sie auch zeichnet.

Die Zeichnung sollte das aufnehmen: „Innenradien R max.“ mit einem Wert sagt dem Leser, was gewünscht ist, eine scharfe Ecke im Modell lässt die Frage offen. Der Radius der Ecke begrenzt den Fräser nach oben: Ein großer Radius erlaubt einen kräftigen Fräser, ein kleiner Radius nur einen schlanken.

Für die Zugänglichkeit heißt das: Der Radius legt den Referenzfräser des Checks fest. Wer ihn verkleinert, gewinnt Neigung und verliert Steifigkeit; wer ihn vergrößert, tut das Umgekehrte.

Eckenradius und Bodenradius einer Tasche Links die Draufsicht auf eine Tasche: Ein runder Fräser sitzt in der Ecke, deshalb ist der Eckenradius mindestens so groß wie der Fräserradius; eine scharfe Ecke ist gestrichelt als nicht herstellbar markiert. Rechts der Schnitt durch dieselbe Tasche mit einem Radius zwischen Wand und Boden. Reines Schema, frei erfunden. Draufsicht: Eckenradius Fräserradius scharfe Ecke Eckenradius ≥ Fräserradius (scharfe Innenecke nicht herstellbar) Schnitt: Bodenradius Tasche im Schnitt Bodenradius Radius zwischen Wand und Boden
Schema: Eckenradius in der Draufsicht und Bodenradius im Schnitt; erfunden, nicht aus einer Lieferung.
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Bodenradius

Zwischen Wand und Boden entsteht ein Übergang. Soll er rund sein, nennt die Zeichnung den Radius; soll der Boden bis zur Wand eben sein, braucht sie eine Aussage dazu, denn ein Radius am Boden folgt aus dem Fräser.

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Kantenbruch

Die Kante an der Öffnung ist scharf oder gebrochen. Eine Angabe nach ISO 13715 legt fest, was gewünscht ist; ohne sie bleibt der Zustand der Kante dem Zufall überlassen.

Bodenradius und Kantenbruch verändern den Zugang nicht, wohl aber die Funktion des Teils. Sie gehören deshalb in dieselbe Zeichnung wie die Maße der Tasche, und zwar mit einem Wert, nicht mit dem Wort „entgratet“.

Drei Fassungen derselben Tasche und ihre Wirkung auf den Zugang
FassungÄnderungWirkung auf den Zugang
A: Ausgangslagetief, schmal, kleiner Radiuswenig Neigungsreserve, schlanker Fräser
B: weiter geöffnetÖffnung größer, Tiefe gleichReserve wächst, Schlankheit bleibt
C: flacherTiefe kleiner, Öffnung gleichReserve wächst, Schlankheit sinkt

Fassung C gewinnt auf beiden Wegen, kostet aber Funktion, wenn die Tasche ihre Tiefe braucht. Fassung B ändert die Ansicht des Teils, nicht seine Funktion. Welche Fassung die richtige ist, weiß nur die Konstruktion; der Check zeigt, wie viel jede Änderung bringt.

Was in die Zeichnung gehört

Damit der Zugang aus der Zeichnung lesbar ist, braucht die Tasche vier Angaben: die Tiefe von der Oberfläche aus, die engste Stelle der Öffnung, der Innenradius mit Wert und, bei geneigten Flächen, den Winkel gegen einen benannten Bezug. Fehlt eine davon, rechnet der Leser mit einer Annahme.

Eine Ansicht, die nur die Öffnung zeigt, verschweigt die Tiefe; ein Schnitt zeigt beides. Wer in einer Tasche mehrere Tiefen oder Radien hat, trägt jede ein und fasst sie nicht unter „Radien allgemein R3“ zusammen.

  • Tiefe von der Oberfläche aus
  • engste Stelle der Öffnung
  • Innenradius mit Wert
  • Winkel gegen benannten Bezug
Qualitative Regeln für zugängliche Taschen
RegelWirkung auf den Zugang
Innenradien möglichst groß wählenerlaubt einen kräftigeren Fräser und mehr Neigung der Achse
Tiefe nur so groß wie die Funktion verlangtsenkt die Schlankheit und vergrößert die Neigungsreserve
Öffnung nicht enger als die Tasche selbstvermeidet, dass der Fräser durch die Öffnung kleiner sein muss als die Tasche
gleiche Radien in einer Tascheerspart Änderungen am Fräser innerhalb eines Merkmals
Radius und Kantenzustand mit Wert angebenmacht die Zeichnung ohne Rückfrage lesbar

Quelle: Begriffe der Fräsverfahren nach DIN 8589-3, Kantenzustand nach ISO 13715; die Regeln stehen in der einschlägigen Fachliteratur zur fertigungsgerechten Konstruktion. Zahlenwerte entnehmen Sie Ihrer eigenen Richtlinie.

Häufige Fragen

Weil der Fräser rund ist: Der Radius der Ecke ist mindestens so groß wie der Radius des Fräsers.

Verfasst von der Evotec GmbH, Arnsberg · Stand 03.10.2026

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